Schloss Gottorf – Ein Ausflug in die Geschichte Schleswig-Holsteins

Architektur von Schloss Gottorf

Eines der schönsten Gebäude in Schleswig-Holstein ist das Schloss Gottorf. Aber es ist nicht nur hübsch anzusehen, denn hier kannst du die Geschichte unseres Bundeslandes kennen lernen und in einer der größten archäologischen Sammlungen Moorleichen bestaunen oder einen fantasievollen Kindergeburtstag feiern. Was es dort noch zu entdecken gibt, verrate ich dir in diesem Beitrag.

Ein kurzer Überblick über die Vergangenheit von Schloss Gottorf

Schloss Gottorf gibt es schon seit dem Mittelalter, es wurde 1161 erstmals als “Burg Gottorf” erwähnt. In den fast 1000 Jahren danach passierte viel mit dem Gebäude. Es diente als Wehr- und Wachposten, wurde vererbt, wechselte die Nationalität, wurde dänisch, wieder deutsch und 1492 zu größten Teilen bei einem Brand zerstört.

Danach wurde fleißig modernisiert, an- und umgebaut. Etwa 1530 wurde der Westflügel im Stil der nordischen Frührenaissance errichtet. Einige Jahre später kam ein weiteres Feuer, Gottorf wurde wieder etwas zerstört und erneut umgebaut, dieses Mal zur vier flügeligen Festungsanlage. Hiervon steht heute leider nur noch der Nordflügel. Ende des 17. Jahrhunderts wurde das Schloss abermals erweitert und bekam seinen barocken Touch.

Es folgte wieder ein Wechsel nach Dänemark und Schloss Gottorf war einige Zeit lang sogar Sitz der dänischen Statthalter. Etwa 1850 errichtete Dänemark ein Kaserne in dem Gebäude und vernichtete leider einen großen Teil der barocken Einflüsse. Etwa hundert Jahre blieb es so, bis schließlich nach dem 2.Weltkrieg als Flüchtlingslager benutzt wurde.

Ab 1948 wurde Schloss Gottorf dem Landesmuseum Schleswig-Holstein zur Verfügung gestellt. Seitdem wird es für Veranstaltungen genutzt und beherbergt verschiedene Museen. Außerdem können die verschiedenen Gebäudeteile besichtigt werden.

Die Museen in Schloss Gottorf

Unser schönes Schloss liegt idyllisch auf der Schlossinsel direkt am Burgsee. Es beherbergt das archäologische Landesmuseum und das Landesmuseum für Kunst- und Kulturgeschichte.

Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte

Der größte Teil des Landesmuseums für Kunst und Kulturgeschichte befindet sich im Erdgeschoss und im ersten Stock vom Schloss. In den Außengebäuden wie der Reithalle und im Kreuzstall finden von Zeit zu Zeit Sonderausstellungen statt.

Als ich das Museum besuchte, war ich beeindruckt was für schöne unterschiedliche Räume es gibt. Vieles ist liebevoll restauriert worden und durch die mächtigen, abwechslungsreichen Hallen zu laufen, gab mir das Gefühl in den verschiedenen Epochen zu wandeln. Die Räume sind sehr verschieden, so dass alles seinen eigenen Reiz hat. Zum Beispiel die gotische Halle aus dem 15. Jahrhundert hat eine wunderschöne Decke und hier gibt es sakrale Kunst zu bestaunen. Oder die wunderschön gestaltete Schlosskapelle, in der sogar heute noch geheiratet werden kann.

Am besten aber gefiel mir der Hirschsaal im Nordflügel. Wenn man ihn betritt, wird sofort klar, woher der Name kommt. An den Wänden sind verschiedene Hirsch- und andere Wildskulpturen angebracht und die Decke beeindruckt mit Bilder und verschiedenen schwarz-weißen Mustern. Es ist irgendwie drückend, aber auch unglaublich faszinierend und schön. Mein Kopf war leicht überfordert und ich wusste gar nicht, wo ich zuerst hinschauen sollte.

Im Obergeschoss gibt es weitere Räume mit verschiedenen Ausstellungsstücken.  Hier gefiel mir der Jugendstil-Teil. Der Teppich und die dort stehenden Möbel erinnerten mich an früher ans zu Hause bei meinen Großeltern und manches fand sich garantiert auch auf den Jugendbildern meiner Eltern wieder.

Weitere Ausstellungen des Landesmuseums für Kunst und Kulturgeschichte gehört eine Bibliothek mit über 100.000 Büchern, Zeitschriften und Katalogen. Alles natürlich rund um das Thema Kunst. Außerdem gibt es im Neuwerkgarten einen begehbaren Riesenglobus mit einem Durchmesser von mehr als drei Metern. Diesen habe ich leider noch nicht gesehen, aber die Bilder auf der Website des Museums sehen vielversprechend aus.

Im Außengelände befindet sich ein Skulpturenpark mit über 50 Ausstellungsobjekten.

Archäologisches Landesmuseum im Schloss Gottorf

Der kunst- und kulturgeschichtliche Teil des Museums gefiel mir, aber noch viel besser fand ich das archäologische Museum. Dieses befindet sich in den oberen Stockwerken des Hauptgebäudes und führt einen durch die Geschichte Schleswig-Holsteins und Nordeuropas. Es ist so spannend zu sehen, wie unser Bundesland sich durch die Jahrhunderte und – tausende entwickelt hat. Tatsächlich findet man hier auch die größte Sammlung dieser Art in Europa vor.

Neben vielen Gebrauchsgegenständen, die ältesten sind etwa 120.000 Jahre alt und wurden von den Neandertalern benutzt, gibt es auch über 30.000 Grabfunde. Die Geschichte der Hügelgräber wird erklärt und unterschiedliche Darstellungen zeigen, wie diese aufgebaut waren. Die bekanntesten Exponate stammen aus diesen Gräbern und es handelt sich um Moorleichen. Diese sind sehr gut erhalten und die Geschichte hinter diesen Menschen wird sehr gut beschrieben. Stellt euch vor, ich habe diese Moorleichen bei einem Ausflug in der Grundschule gesehen und seitdem nie mehr vergessen. Es gab mir damals schon ein merkwürdiges Gefühl und bei meinem letzten Besuch, immerhin über 30 Jahre später, war es nicht anders. Merkwürdig und faszinierend zugleich.

In den unteren Stockwerken ist die Ausstellung “Dorf-Burg-Kirche-Stadt”. In den Räumen werden zum Beispiel verschiedene Haustypen gezeigt und wie diese aufgebaut wurden. Diese Ausstellung war äußerst interessant und ich verbrachte hier viel Zeit. Für Kinder gibt es hier einen kleinen Spielbereich im Flur, wo die Kleinen selbst eine schleswig-holsteinische Stadt nachbauen können.

Tipp für Familien mit Kindern: Neben dem Haupteingang befindet sich außen ein Eingang zu den Toiletten. Direkt im selben Eingang gibt es einen Raum, in dem viele weitere Spielmöglichkeiten für Kinder angeboten werden.

Im Außengelände gibt es noch die Nydamhalle. Hier dreht sich alles um das Hauptausstellungsstück: das Nydam-Schiff, welches etwa 320 n. Chr. gebaut wurde.

 

Kindergeburtstag im Schloss Gottorf feiern

Wer einen besonderen Ort für einen Kindergeburtstag sucht, wird auch im Schloss fündig. Verschiedene buchbare Programme werden angeboten, in denen Verkleidungen und Interaktionen auf jeden Fall dabei sind:

  • Zwergenspaß – Auf Spurensuche im Schloss: Botschaften entschlüsseln, Spuren suchen, dieses Erlebnisse für kleine Spürnasen führt zu einem Schatz, der aber erstmal gefunden werden muss
  • Vom Faustkeil zur Muskete – Waffen durch die Jahrtausendwende: Ausprobieren und erleben von verschiedenen Jagd- und Kriegswaffen
  • Leben auf der Burg – in mittelalterlicher Gewandung: Verkleiden und eine Tafelrunde erleben, das ist das Mittelalter zum Anfassen
  • Jäger der Steinzeit – Leben und Überleben der Steinzeitjäger: Herstellen von Amuletten und anderen Dingen
  • Kindheit und Spiel im Mittelalter – Auf geht’s in die mittelalterliche Spielewelt: Spiele mit über 500 Jahre alten Spielgeräten und lustige Aktionen für Kinder von 6 bis 12 Jahren
  • Geheimnisvolle Moorleichen – Warum sind die  eisenzeitlichen Moorleichen so gut erhalten?: Naturwissenschaftliche Experimente und in die Rolle eines Archäologen schlüpfen, ein Spaß für alle Kinder, die gern die Welt erforschen
  • Keine Angst vor großer Kunst – Auge in Auge mit den großen Meistern: Gestaltung eines eigenen Kunstwerks mit verschiedenen Materialien
  • Ungeheuerlich: Von Drachen und Monstern – Fabelwesen auf Schloss Gottorf: Monster im Schloss finden und basteln vom persönlichen Ungeheuer
  • Ein Fest am barocken Hof – Als Prinzessin oder Herzog durchs  Schloss: Der Titel sagt schon worum es geht, ein Traum für alle kleinen Prinzen und Prinzessinnen
  • Der Gottorfer Riesenglobus – Der Menschen zwischen Himmel und Erde: Erkundung des Riesenglobus und basteln von einem Taschenglobus oder Postkarten
  • Forschen wie echte Archäologen – Kittel an im GottorfLab und los geht’s:  Einblicke in die Grundtechniken archäologischer Forschung

Das Programm kann natürlich jederzeit wechseln, daher empfehle ich direkt auf der Website vom Schloss nach aktuellen Angeboten zu schauen.

Die Preise liegen übrigens alle bei ca. 135,-€ für drei Stunden. Dazu kommt der Eintritt (3,-€ pro Kind) und ein Euro pro Kind fürs Material.

Weitere Veranstaltungen

Im Schloss Gottorf wird ein riesiges, wechselndes Programm an Veranstaltungen angeboten. Angefangen bei Führungen durch die Ausstellungen und in verschiedenen Sprachen, Märkte und Vernissagen über spezielle Ferienprogramme für Kinder wie Schatzsuche per GPS bis hin zu großen Konzerten mit klassischer Musik oder auch Pop/Rock.

Heiraten im Schloss

Fast jeder träumt bei der eigenen Hochzeit von einem traumhaften Tag in einer romantischen Location. Was liegt da näher als direkt auf Schloss Gottorf zu heiraten? Ein wunderschöner Ort und die Trauung findet in der verspielten Kapelle mitten im Schloss statt. Hier darf kirchlich und frei getraut werden.

Wenn man eine standesamtliche Hochzeit im Schloss möchte, kann man dies im Plöner Saal machen. Er ist sehr romantisch in weiß-gold gestaltet und bietet ein tolles Ambiente.

 

Mein Fazit zum Schloss Gottorf

Mein Fazit fällt leicht aus: Ich mag das Schloss. Die ganze Anlage ist sehr groß und es lohnt sich öfters wiederzukommen, um alles zu sehen. Die Außenanlagen sind schön und bei gutem Wetter kann man hier lange herumlaufen und es sich in der schönen Natur gut gehen lassen. Die Ausstellungen sind interessant, wenn sie auch nicht immer so modern dargestellt werden, wie in manch anderem Museum. Dafür ist das Angebot sehr groß und die Geschichte Schleswig-Holsteins wird gut verständlich und interessant dargestellt. Von daher gibt es einen Daumen hoch von mir!

Weitere Informationen
Anschrift:
Schlossinsel 1
24837 Schleswig
Telefon: 04621-813 222

Website:
Schloss Gottorf

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